Gingivitis ist das medizinische Fachwort für Zahnfleischentzündung.

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Studentenkurs an der TU Dresden

Die letzten vier Tage war ich an der TU Dresden um in der Poliklinik für Parodontologie einen Studentenkurs abzuhalten. Insbesondere die beiden großen Erkrankungen der Mundhöhle Gingivitis / Parodontitis und Karies haben wir ausführlich besprochen. Aber auch viele für unsere Patienten wirklich relevante Themen haben wir diskutiert. Stichwort: Mundhygiene, Prophylaxe, Zahnreinigung und alles was mit Vorbeugung zu tun hat. Die letzten Tage waren zusätzlich eine Inspiration dafür, welche Fragen unsere Patienten wirklich beschäftigen.

Mir hat der Kurs sehr viel Spass gemacht und die Studenten waren trotz Prüfungen top motiviert bei der Sache!

Ich bin gespannt auf die Referate im April!

FAQ: Parodontitis (Parodontose) – Die häufigsten Fragen

In dieser Rubrik beantworten wir Ihre häufigsten Fragen aus unserer Sprechstunde zu einem speziellen Thema.
Diese Mal zum Thema Parodontitis (Parodontose):

Was ist Parodontitis eigentlich?

Parodontitis ist eine Erkrankung des Zahnhalteapparats – also aller Strukturen die den Zahn in der Mundhöhle befestigen. Umgangssprachlich wird auch der Begriff Parodontose sehr häufig verwendet.

Was geschieht bei einer Parodontitis eigentlich?

Ausgangspunkt für diese langsam voranschreitende (=chronische) Erkrankung ist die alleinige Entzündung des Zahnfleischs. Diese bezeichnet man als Gingivitis.
Die Parodontitis ist eine chronische Entzündung, aufgrund dessen es zu einem langsamen und schleichenden Abbau des Kieferknochens kommt. Betroffen ist der gesamte Zahnhalteapparat: Zahnfleisch (Gingiva), Kieferknochen (Alveolarknochen), Wurzelzement und Wurzelhaut.

Und wie genau entwickelt sich die Parodontitis?

Parodontitis ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Die Bakterien lagern sich auf der Zahnoberfläche ab und bilden Stoffwechselprodukte, welche ins Zahnfleisch eindringen. Der Körper reagiert mit der Aktivierung der Immunabwehr. Es entsteht eine Gingivitis. In der Folge schwillt das Zahnfleisch und es entstehen Zahnfleischtaschen. In diesen vermehren sich die Bakterien ungestört. Die Ansammlung von Bakterien wird auch Plaque genannt. Diese Beläge sind mit der Zahnbürste nicht mehr zu entfernen, da sie zu fest auf den Zähnen kleben. Ist die Gingivitis zu lange vorhanden, greift sie auf den unter der Schleimhaut liegenden Knochen über.
Ab diesem Zeitpunkt spricht man von einer Parodontitis. Dabei geht die Anheftung des Zahnfleischs an die Wurzelhaut des Zahns verloren, Knochen wird abgebaut und der Zahn kann ausfallen.

Welche Ursachen führen zur Entstehung von Parodontitis?

Grundvoraussetzung ist eine bakterielle Infektion. Sehr häufig ist eine unzureichende Mundhygiene dafür verantwortlich. Daneben werden Risikofaktoren damit assoziiert: Diabetes, Erkrankungen des Immunsystems (z.B. AIDS), Ernährung und genetische Veranlagung.
Wichtigster und durch sehr gute Studienlage belegter Kofaktor ist das Rauchen.

Wann sollte ich zum Zahnarzt gehen?

So früh wie möglich! Parodontitis ist eine langsame voranschreitenden Erkrankung, die im Frühstadium sehr gut therapierbar ist. Je länger der destruktive Knochenabbau stattgefunden hat, umso schwieriger ist die Therapie. In schweren Fällen der Parodontitis werden Zähne dann bereits locker und sind nicht mehr zu retten. Es gilt: Je früher, desto besser.

Wie erkenne ich Anzeichen für eine Erkrankung?

Anzeichen für die Entstehung einer Gingivitis oder auch Parodontitis sind: Anschwellen des Zahnfleisch, Rötung des Zahnfleischs, Blutung beim Zähne putzen, Lockerung der Zähne.

Und wie sieht die Parodontitistherapie aus?

Für die Behandlungsplanung ist zunächst ein ausführlicher Parodontalbefund wichtig. Dabei werden wichtige Werte gemessen, wie beispielsweise die Taschentiefe, der Zahnfleischrückgang, die Lockerung der Zähne, Blutungswerte des Zahnfleischs, Plaqueanhaftungen. Dieser Befund wird schmerzfrei mit einer speziellen Sonde erhoben. Bei sehr hartnäckigen Erkrankungsformen kann als zusätzliches Hilfsmittel noch eine Bakterienbestimmung sinnvoll sein.
Die Befunderhebung komplettieren Röntgenaufnahmen der Zähne, um mögliche Entzündungsherde und Knochendefekte darzustellen.
Der erste Schritt der Behandlung ist die antiinfektiöse Therapie. Dabei werden zunächst die Zahnfleischtaschen gereinigt und die Mundhygiene optimiert. Bei sehr schweren Verlaufsformen kann es sinnvoll sein, diesen Schritt zu überspringen und direkt mit der Tiefenreinigung zu starten.
Die Tiefenreinigung wird in lokaler Betäubung durchgeführt. Dabei werden die Zahnwurzeln von Bakterienanhaftungen (Konkrementen, Biofilm) gereinigt und die Wurzeloberflächen geglättet. Bei einem sehr aggressiven Bakterienspektrum kann zusätzlich die Einnahme von speziellen Antibiotika notwendig sein, um wirklich alle Bakterien zu eliminieren.
Nach Kontrolle des Therapieergebnisses kann es sinnvoll sein durch die Parodontitis entstandene Defekt zu reparieren. Dabei gibt es verschiedene Methoden, um dass Zahnfleisch zu nachwachsen anzuregen und die Situation zu stabilisieren.

Mein Zahnarzt hat mir den Einsatz eines Lasers empfohlen?

Als „Laser“ im Bereich der Parodontitistherapie wird sehr häufig die photodynamische Therapie bezeichnet. Dabei werden Farbstoffe welche von Bakterien aufgenommen werden durch Licht angeregt und zerstören diese (in Experiment) dadurch.
Die klinische Studienlage ist im Moment noch unzureichend und ein wirklicher Nutzen nicht belegt. Als Konklusion sehen alle Veröffentlichungen derzeit, dass die Photodynamische Therapie nur zusätzlich angewendet werden kann. Als Goldstandard gilt  weiterhin die konventionelle, antiinfektiöse Therapie.

Kann man verloren gegangene Zähne ersetzen?

Ein Ersatz der durch Parodontitis verloren gegangenen Zähne durch Zahnersatz wie beispielsweise durch Brücken, Implantaten oder herausnehmbaren Prothesen ist selbstverständlich möglich.

Was kann ich den vorbeugend tun?

Vorbeugend können Sie eine Menge tun! Das Wichtigste ist Ihre eigene Mundhygiene. Eine sorgfältige Putztechnik, die richtige Zahnbürste und Zahnpasta und ein die Pflege der Zahnzwischenräume ist der Grundstein für Mundgesundheit.
Zusätzlich werden in der Prophylaxe die fest anhaftenden Bakterien durch eine geschulte Fachkraft entfernt. Sie geht auf Ihre spezifische Situation ein und zeigt Ihnen welche Stelle Ihre besondere Aufmerksamkeit benötigen und wie sie die bakteriellen Beläge noch besser beseitigen können.

Zusammenfassung:

Die richtig durchgeführte Mundhygiene zu Hause ist der Grundstein für Ihre Gesundheit. Die regelmäßige Reinigung und Untersuchung durch den Zahnarzt unterstützt Ihre Mundhygiene und deckt versteckte Entzündungsstellen auf.
Bei einer bereits diagnostizierten Parodontitis ist die regelmäßig Nachsorge entscheidend für den dauerhaften Erhalt Ihrer Zähne.
Wir freuen uns auf Ihre Fragen!
Dr. Andreas Vogtner               Dr. Barbara Vogtner